Ende meiner Pilgerreise

pilgerin am 3. September 2009 um 02:48

Ein liebes Hallo Euch allen,
Morgen kommt mein Mann in Osaka an und damit endet die Zeit meiner Pilgerreise. Ich werde meine Pilgerkleidung ablegen und als ganz normale Touristin mit ihm durch Japan reisen. Wir werden noch einmal nach Shikoku fahren, dann geht es weiter nach Kyushu, Hiroshima, Kyoto, Nara, Osaka, Nikko, Aomori und Tokyo.

 10 Wochen bin ich allein ueber Shikoku gepilgert und kann rueckblickend sagen, das ich alle Antworten gefunden habe, die ich suchte. Es war manche Male eine sehr harte Zeit, doch kann ich heute feststellen, dass ich hier sehr viel gelernt habe. 

In den letzten Tagen hatte ich das Glueck noch einmal bei einer japanischen Familie zu leben. Mittlerweile sehe ich auch kaum noch Unterschiede zwischen unseren Voelkern. Es sind wohl vor allem Aeusserlichkeiten, wie Haar- und Augenfarbe wodurch ich auffalle und was mich trennt, ist die nach wie vor die Sprache.

So moechte ich mich heute verbeugen, vor euch meinen Freunden, dankbar fuer die Anteilnahme und Unterstuetzung bei meinen Erlebnissen. Und ich verbeuge vor den Japanern, dankbar fuer ihre Gastfreundschaft, Guete und Warmherzigkeit, in der Hoffnung diese noch lange in meinem Herzen bewahren zu koennen.
 
Eure Kathrin 

Koya san und Osaka

pilgerin am 30. August 2009 um 04:21

Ein liebes Hallo an euch alle,

ich moechte mich diesmal aus Osaka melden.

In den letzten Tagen hatte ich die Moeglichkeit bei einem aelteren Ehepaar in Wakayama zu wohnen. Sie haben ein sehr winziges Haus und betreiben eine Waescherei. Sie sprechen leider nur Japanisch und benutzen dabei auch noch den Wakayama Dialekt. Da wurde es mit der Verstaendigung sehr schwierig. Auch waren sie sehr besorgt um mich (manchmal zu sehr).

Von Wakayama aus habe ich einen Tagesausflug auf den Berg Koya gemacht, um mir meinen vorletzten Stempel und die dazugehoerige Kalligrafie zu holen. Der Ort Koya (UNESCO Weltkulturerbe) besteht aus ueber 100 Tempeln und sehr vielen Souveniershops und Gaststaetten. In den Tempeln kann man uebernachten und an den morgendlichen Zeremonien teilnehmen. Allerdings kostet dies ca. 10.000 Yen pro Person (incl Fruehstueck und Abendbrot).

Ich besichtigte Koya und verrichtete im Kobo Daishi Tempel meine religioesen Handlungen. Ich lies noch einmal die Erlebnisse der letzten Wochen vor meinen Augen ablaufen und bedankte mich fuer all die Hilfe und Unterstuetzung, die ich bekommen habe. Dies war schon sehr beruehrend.

Am naechsten Tag bin ich nach Osaka gefahren. Osaka ist eine sehr grosse Stadt mit ca. 2 1/2 Mio Einwohnern. Entsprechend war das “Gewussel”, als ich auf dem Bahnhof ankam.

Vorgestern habe ich mir den Sueden der Stadt angesehen und traf abends Caroline aus der Schweiz im Hotel. Gemeinsam sind wir gestern nach Kyoto gefahren, da sie dort an einem Kongress teilnehmen will.

Heute geht es weiter nach Kobe.

Liebe Gruesse in die Heimat. Eure Kathrin

Wie geht es weiter?

pilgerin am 24. August 2009 um 07:55
Morgen fahre ich mit dem Ferry Boat in Richtung Koya San und verlasse das erste Mal die Insel Shikoku.
 
Wie ihr wisst, folge ich den Spuren von Kobo Daishi. Wer war er?
Kukai (nach seinem Tod erhielt er den Namen Kobo Daishi) lebte von 774 bis 835 und ist im Tempel 75 (Zentsuji) auf Shikoku geboren. Er starb in Koyasan und liegt dort in einem Mausoleum. In Koyasan gibt es ueber 100 Tempel und der Ort ist bekannt als das Hauptquatier der Shingon Schule des japanischen Buddhismus.
Mount Koya ist einer der heiligsten Berge in Japan.
 
Ich werde in Wakayama von einem aelteren Ehepaar abgeholt und kann bei ihnen fuer ca 2 Naechte bleiben.
 
Dann habe ich ca. 2 bis 3 freie Tage bevor ich nach Kobe fahre. In Kobe lebt Mine mit ihrer Familie, welche ich im Youth Hostel in Kochi kennen gelernt habe. Bei ihr kann ich vielleicht bis 4.9.09 bleiben, der Ankunft von Matthias in Osaka.
 
Jetzt habe ich auch ein paar Bilder (von ca. 800 Bildern) in den blog gestellt. Ihr findet sie unter “Bilder meiner Pilgerreise”. Es ist alles nicht perfekt, aber so bekommt ihr wenigstens mal einen kleinen Eindruck von meiner Pilgerreise. Theoretisch muessten auch Bildunterschriften zu lesen sein (notfalls Cursor bewegen??)
 
Liebe Gruesse
Kathrin

Ich war im Nirwana.

pilgerin am 24. August 2009 um 04:14

Oder anders gesagt, ich war im Paradies………..

Wie ihr wisst, wurde ich in Takamatsu von Hitomi mit einem Begleitzettel (wo das Wichtigste ueber mich drauf stand) in den Zug gesetzt. Anhand des Fahrplanes verfolgte ich die Haltestellen, da bei der Kotoden Railway die Haltestellen keine Nummern haben. Ich sollte in Hazama vom Zug abgeholt werden. Das klappte auch perfekt, eine Frau stand da und winkte mir.

Gemeinsam fuhren wir zu ihrem Tempel. Dieser liegt umgeben von vielen Baeumen etwas abseits. Mir wurde mein “Zimmer” gezeigt. Abends schliesst man 3 Tueren und breitet seine Matraze auf den Tatami Matten aus.

Dann gab es Mittag (Brot mit Kaese, Marmelade und Obst). Zum Essen kamen ihr Mann, der Priester des Tempels und seine 96 jaehrige Mutter dazu.

Nachmittags fuhren wir zu Kaolin’s Buero, da sie Englisch beherrscht, um meine weiteren Plaene zu besprechen. Erst einmal habe ich von meinen Erlebnissen erzaehlt und sie hat nur gelacht. Ich fand es anfangs nicht so sehr lustig, aber sie hat schon Recht, es war einerseits wirklich nicht sehr intelligent diesen Weg im Sommer zu laufen und ich habe Japan (Shikoku) von einer Seite kennen gelernt, wie es kaum ein Tourist tut.

(Ich finde es wirklich spannend, das so viele Menschen den gleichen Weg laufen und dennoch hat jeder voellig andere Erlebnisse.)

Was die naechsten Tempel betraf, sah sie das auch alles recht locker. Auch das lies mich etwas verzweifeln, da ich die Probleme sah, doch wusste sie das es eine Loesung geben wird.

Und so war es auch, am naechsten Tag fuhren wir zum Zentsu ji Tempel, dem Geburtsort von Kobo Daishi. Wir, das heisst die Tempelfrau und ihr Mann, eine Freundin (Etsuko) mit ihrem Mann, ein weiterer Freund und ein Translater. Dort trafen wir den zweithoechsten Moench zu einem Gespraech. Weiter ging es durch die “Tiefen des Tempels” und zu den anderen Tempels dieses wundervollen Platzes. Alleine haette ich das gar nicht gefunden.

An diesem Tag standen noch vier weitere Tempel auf dem Plan und ein Besuch der heissen Quellen. Anschliessend gingen wir in den Supermarkt. Es war echt lustig, sie wollten gern fuer die vegetarische Deutsche einkaufen (Was mag sie essen?) und ich wollte bescheiden sein. Der Priester fand auch immer was, wo er dachte das es mir schmeckt, aber seine Frau meinte: “das haben wir zu Hause”…

Dann zurueck zum Tempel und gemeinsames Abendessen. Es war schon etwas Besonderes wieder drei richtige Mahlzeiten am Tag zu haben. Meist habe ich mir im Supermarkt nur Kekse oder Kuchen zum Fruehstueck, Mittags Eis und zum Abendbrot Reis gekauft

Am naechsten Tag hies es relaxen und am darauffolgenden Tag wieder zwei Tempel mit der Tempelfrau, Besuch des Sohnes in seinem Tempel und des castles in Marugame.

Nun kam der grosse Tag: Besuch der letzten zwei Tempel. Nun muessen wir uns das so vorstellen, das es eine grosse Ehre fuer die Leute war, mit mir gemeinsam die letzten Tempel zu besuchen. Wieder sind wir zu fuenft losgefahren und trafen unterwegs weitere Freunde.

Es ist einfach unglaublich wie sehr sich alle mit mir gefreut haben, als wir am 88. Tempel angekommen sind!!!

(Ich stelle dann noch ein paar Bilder rein.)

Zusammenfassend kann ich euch nur erzaehlen, wie bewegend diese Gastfreundschaft war und ist. Egal ob Hitomi, die Tempelleute, naechste Woche das aeltere Ehepaar in Koyasan und dann Mine in Kochi. Es ist unglaublich, wie freundlich ich aufgenommen werde. Manche habe noch nie eine Deutsche kennen gelernt und doch darf ich bei ihnen wohnen und mit ihnen leben.

Ich bin richtig froh, dass Matthias und ich noch einmal die fuer mich wichtigsten Orte dieser Insel besuchen. Der Tempel mit meinen japanischen Eltern gehoert auf jeden Fall dazu!!!

Ich habs geschafft!!!

pilgerin am 24. August 2009 um 03:17

Ich habes es wirklich geschafft, ich habe alle 88 Tempel besucht!!!

Lasst mich einmal zurueckschauen….

Da ich ja ziemliche Orientierungsprobleme hatte, habe ich eine Uhr mit Kompass geschenkt bekommen. Ausserdem habe ich mir ein Handy mit GPS Funktion zugelegt. Mein Mann war so nett und hat mir in meinen japanischen Atlas saemtliche Koordinaten aller Tempel eingetragen. So haette ich im Notfall die Tempel mit meinem Handy finden koennen.
Ja, so bin ich losgezogen. Beim Landeanflug auf Osaka fliegt man direkt ueber die Insel Shikoku. Da wurde mir das erste Mal die Groesse dieser Insel bewusst. Auch wenn ich wusste, das der Pilgerweg ca. 1200 km lang ist, war ich schon etwas sprachlos, als das Flugzeug mehrere Minuten ueber die Insel flog.

In Osaka den Bus nach Tokushima zu finden, war Dank Ossi sehr leicht. Aber hier in Tokushima das Ryokan zu finden, dazu bedurfte es 6 Helfer (eigentlich haette ich nur aus dem Gebaude raus und nach links gehen brauchen).
Als ich das Ryokan verlies, um einmal (nur) um den Block zu laufen, habe ich als erstes die Koordinaten gespeichert. Das habe ich auch spaeter immer so beibehalten.

Zum 1. Tempel fuhr ein Bus und der mitfahrende Pilger zeigte mir, wo der Tempel ist. Dann war der Weg ja recht gut ausgeschildert. War ich an einer Kreuzung und wusste nicht recht weiter, kam stets ein Japaner der mir half.

So bin ich eine Woche bis zum Tempel 17 ueber die Insel gepilgert. Als mir Ryofu empfahl wieder nach Tokushima zurueck zu gehen, war ich mir sehr sicher, dass dies das Ende meiner Pilgerreise bedeutete. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, das ich die Runde noch einmal starten wuerde, um den Tempel 17 wieder zu finden.
Ihr koennt euch sicher mein Erstaunen vorstellen, als ich nur 2 Haltestellen mit der S-Bahn fahren brauchte, um wieder in Tokushima zu landen.

In Tokushima traf ich dann Patrick und fing an das hiesige Bus- und Zugsystem zu nutzen.
Wieviele Stunden sass ich in den letzten Wochen da und machte Plaene, wie ich weiter vorwaertskomme. Es gab immer so viele Moeglichkeiten. Welche war die Optimale? Entschied ich mich dann fuer irgendetwas, kam meist etwas dazwischen.

Dennoch kam ich immer weiter voran, ich fand Tempel fuer Tempel. Und ich benoetigte immer weniger Hilfe. Manche Tempel fand ich dann sogar ohne zu fragen. Der Weg ist  ja im Uhrzeigersinn ausgeschildert und wenn es noetig war, ging es mit Karte und Kompass auch entgegen dem Uhrzeigersinn.

Und jetzt ist es geschafft, zu Fuss, mit dem Fahrrad, dem Bus, dem Zug, als Tramper und im Auto von Freuden habe ich den gesamten Weg absolviert und alle Tempel besucht.

Wer mich kennt, weiss wie stolz ich auf mich sein kann………………
Ich habe etwas Unglaubliches moeglich gemacht.